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Harnwege & Anatomie: Urogenitaltrakt, Prostata & Prostatavergrößerung

Kurz zusammengefasst

Der männliche Urogenitaltrakt vereint Harnausscheidung und Fortpflanzung in einem anatomisch eng verwobenen System – mit der Harnröhre als gemeinsamer Endstrecke für Urin und Samenflüssigkeit. Die Prostata liegt an dieser Schnittstelle und spielt sowohl für die Reproduktion als auch für die Kontinenz eine zentrale Rolle. Mit zunehmendem Alter ist die benigne Prostatahyperplasie (BPH) die häufigste Ursache von Miktionsbeschwerden beim Mann; sie ist gutartig, aber behandlungsbedürftig, wenn sie die Lebensqualität einschränkt. Daneben sind Prostatitis und Prostatakarzinom weitere klinisch relevante Erkrankungen, die eine urologische Abklärung erfordern.

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Anatomie des männlichen Urogenitaltrakts

Der Urogenitaltrakt des Mannes umfasst zwei funktionell distinkte, anatomisch jedoch eng verknüpfte Systeme: den Harntrakt und den Genitaltrakt.

Der Harntrakt besteht aus den Nieren, die das Blut filtern und Urin produzieren, den Harnleitern (Ureteren), die den Urin von den Nieren zur Harnblase leiten, der Harnblase als Speicherorgan sowie der Harnröhre (Urethra), die den Urin nach außen ableitet. Beim Mann verläuft die Harnröhre durch Prostata, Beckenboden und Penisschaft und ist damit deutlich länger als beim weiblichen Körper; sie dient gleichzeitig als Transportweg für das Ejakulat.

Der Genitaltrakt beginnt mit den Hoden als Ort der Spermienproduktion und Testosteronsynthese. Die Nebenhoden (Epididymides) lagern die unreifen Spermien und ermöglichen deren weitere Reifung und den Erwerb ihrer Motilität. Die Samenleiter (Ductus deferentes) transportieren die reifen Spermien bei der Ejakulation zur Harnröhre. Die Samenbläschen liefern den größten Anteil des Ejakulatvolumens und produzieren Fruktose als Energiequelle für die Spermien. Die Prostata sezerniert ein proteinhaltiges, leicht saures Sekret, das die Befruchtungsfähigkeit der Spermien unterstützt. Die Bulbourethraldrüsen (Cowper-Drüsen) produzieren eine präejakulatorische Flüssigkeit, die die Harnröhre neutralisiert und für die Passage der Spermien vorbereitet.

Die funktionelle Integration beider Systeme wird durch das vegetative Nervensystem gewährleistet: Beim Miktionsakt öffnet sich der Blasensphinkter, während der Ductus ejaculatorius verschlossen bleibt; bei der Ejakulation verhindert ein aktiver Blasenhalsverschluss den Rückfluss von Sperma in die Blase (retrograde Ejakulation). Störungen dieser Koordination – etwa nach Prostataoperationen oder bei diabetischer Neuropathie – können zu einer retrograden Ejakulation führen.

Häufige Erkrankungen des Urogenitaltrakts betreffen Harnwegsinfektionen, Harnröhrenstrikturen, Infektionen von Hoden und Nebenhoden (Orchitis, Epididymitis), Störungen der Spermienproduktion sowie angeborene Fehlbildungen wie die Hypospadie. Diagnostik und Behandlung urogenitaler Erkrankungen fallen in den Kernbereich der Urologie.

Die Prostata – Anatomie und Funktion

Die Prostata ist eine kastanienförmige exokrine Drüse von etwa 20 bis 25 ml Volumen beim jungen Erwachsenen. Sie liegt unmittelbar unterhalb der Harnblase, umschließt die proximale Harnröhre und grenzt dorsal an den Mastdarm – eine Lagebeziehung, die die rektale Tastuntersuchung als wichtiges diagnostisches Instrument ermöglicht.

Funktionell produziert die Prostata ein prostataspezifisches Sekret, das Enzyme wie PSA (Prostata-spezifisches Antigen), Zink und andere Substanzen enthält, die zur Verflüssigung des Ejakulates nach der Koagulation beitragen und die Spermienaktivierung unterstützen. Die Prostata ist anatomisch in Zonen gegliedert: Die Transitionalzone im Zentrum ist der Ausgangspunkt der benignen Prostatahyperplasie; die periphere Zone, die den größten Anteil ausmacht, ist der häufigste Entstehungsort des Prostatakarzinoms.

Benigne Prostatahyperplasie (BPH)

Die benigne Prostatahyperplasie ist die häufigste urologische Erkrankung des alternden Mannes. Ab dem fünften Lebensjahrzehnt zeigt nahezu jeder zweite Mann histologische Zeichen einer BPH; klinisch relevant – also mit Miktionsbeschwerden verbunden – ist sie bei etwa einem Drittel der Männer über 60 Jahren. Die genaue Pathogenese ist multifaktoriell; hormonelle Veränderungen mit verändertem Androgen-Östrogen-Gleichgewicht und altersbedingte Proliferationsveränderungen in der Transitionalzone spielen eine wesentliche Rolle.

Die Vergrößerung der Transitionalzone komprimiert die umgebende Harnröhre und erhöht den Ausführungswiderstand. Symptomatisch resultieren sogenannte LUTS (Lower Urinary Tract Symptoms): abgeschwächter oder unterbrochener Harnstrahl, verlängerte Miktionsdauer, Verzögerung beim Miktionsbeginn, das Gefühl unvollständiger Blasenentleerung, häufiger Harndrang tagsüber und nachts (Nykturie) sowie imperativer Harndrang. In fortgeschrittenen Fällen kann ein Harnverhalt entstehen.

Wichtig: Die BPH ist gutartig und kein Krebsvorläufer; sie erhöht das Risiko für ein Prostatakarzinom nicht direkt. Dennoch sollte sie urologisch überwacht werden, da erhöhte PSA-Werte durch die vergrößerte Prostata die Interpretation im Rahmen der Krebsfrüherkennung erschweren können.

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Symptome und der individuellen Belastung. Bei leichten Beschwerden ist ein abwartendes Vorgehen mit regelmäßiger urologischer Kontrolle möglich. Medikamentös kommen Alpha-1-Rezeptorblocker (relaxieren die glatte Muskulatur in Prostata und Blasenhals), 5-Alpha-Reduktase-Hemmer (reduzieren das Prostatavolumen durch Senkung des DHT-Spiegels) oder deren Kombination zum Einsatz. Pflanzliche Präparate (Sägepalmen-, Kürbiskernextrakt) haben eine gewisse Evidenz für leichte Symptome. Bei unzureichendem Ansprechen auf medikamentöse Therapie oder bei Komplikationen sind operative Verfahren indiziert; die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P) gilt als Goldstandard, ergänzt durch minimalinvasive Verfahren wie Laserablation, Wasserdampftherapie oder Prostata-Arterienembolisation.

Weitere Prostataerkrankungen

Die Prostatitis – eine Entzündung der Prostata – umfasst ein heterogenes Krankheitsbild: Die akute bakterielle Prostatitis ist ein ernstes Krankheitsbild mit Fieber, perinealem Schmerz und Miktionsbeschwerden, das einer antibiotischen Therapie bedarf. Die chronische Prostatitis/chronisches Beckenschmerzsyndrom (CPPS) ist die häufigste Form, häufig ohne bakteriellen Erregernachweis und mit erheblichem Leidensdruck; die Behandlung ist komplex und umfasst medikamentöse, physiotherapeutische und psychologische Ansätze.

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes in Deutschland. Frühstadien verlaufen asymptomatisch und werden durch PSA-Bestimmung und rektale Tastuntersuchung im Rahmen der Vorsorge erfasst. Die Behandlung richtet sich nach Stadium, Risikogruppe und individuellen Faktoren und reicht von aktiver Überwachung über radikale Prostatektomie und Strahlentherapie bis zu hormoneller und systemischer Therapie bei fortgeschrittener Erkrankung. Operativ relevante Folge für die Sexualfunktion: Nach radikaler Prostatektomie können erektile Dysfunktion und – bei nicht nervenschonender Technik – eine funktionale Penisverkürzung auftreten, die spezifische Nachsorge und gegebenenfalls chirurgische Intervention erfordern.

Dieser Inhalt dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar. Er ersetzt keinesfalls eine fachliche Untersuchung oder Behandlung durch eine(n) approbierte(n) Ärztin oder Arzt. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Unsicherheiten konsultieren Sie bitte immer eine medizinische Fachperson – insbesondere auch bei Fragen zur Intimchirurgie oder sexuellen Gesundheit.

6 Min. Lesezeit – Aktualisiert am 1. Juli 2026

Quellen & Literatur

  1. 1. EAU Guidelines on Benign Prostatic Hyperplasia (aktuelle Fassung)
  2. 2. EAU Guidelines on Prostate Cancer (aktuelle Fassung)
  3. 3. EAU Guidelines on Urological Infections (aktuelle Fassung)
  4. 4. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) zur BPH und zum Prostatakarzinom
  5. 5. Roehrborn, C.G.: Benign prostatic hyperplasia: etiology, pathophysiology, epidemiology and natural history – in: Campbell-Walsh Urology (Standardlehrbuch)