Sexuell übertragbare Erkrankungen am Penis: Genitalherpes & HPV
Kurz zusammengefasst
Genitalherpes und HPV-Infektionen zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen weltweit. Beide verlaufen oft ohne oder mit nur geringen Symptomen und werden daher häufig unbewusst weitergegeben. Während Genitalherpes durch eine lebenslange Viruspersistenz mit möglichen Rezidiven charakterisiert ist, ist HPV – abhängig vom Virustyp – für die Entstehung von Genitalwarzen oder, bei Hochrisikotypen, für die Entwicklung von Krebsvorstufen verantwortlich. Für HPV steht eine hochwirksame Schutzimpfung zur Verfügung, die insbesondere Partnerin und Partner schützt.
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Genitalherpes
Genitalherpes wird durch das Herpes-simplex-Virus (HSV) verursacht, überwiegend durch HSV-2, in einem wachsenden Anteil der Fälle jedoch auch durch HSV-1 – den Erreger des Lippenherpes –, der durch Oralsex auf die Genitalregion übertragen werden kann. Die Infektion zählt zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen; Schätzungen der WHO gehen davon aus, dass weltweit über 500 Millionen Menschen mit HSV-2 infiziert sind.
Die Erstinfektion verläuft häufig symptomatisch und äußert sich typischerweise durch schmerzhafte, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen im Bereich von Penis, Hodensack, After oder den angrenzenden Hautarealen, begleitet von Rötung, Brennen und Juckreiz. Allgemeinsymptome wie Fieber und Lymphknotenschwellungen in der Leiste sind bei der Primärinfektion nicht selten. Nach Abheilung der Bläschen persistiert das Virus lebenslang in den sensorischen Ganglien und kann jederzeit reaktiviert werden – begünstigt durch Stress, Immunsuppression, Fieber oder UV-Exposition. Rezidive sind in der Regel kürzer und weniger schwer als die Erstmanifestation; manche Betroffenen haben nur seltene Ausbrüche, andere häufigere.
Klinisch bedeutsam ist die asymptomatische virale Ausscheidung: Auch ohne sichtbare Effloreszenzen kann das Virus übertragen werden, was die Prävention erschwert. Kondome reduzieren das Übertragungsrisiko, bieten jedoch keinen vollständigen Schutz, da die Virusausscheidung auch auf nicht bedeckten Hautarealen stattfindet.
Genitalherpes ist nicht heilbar; die Behandlung erfolgt mit antiviralen Medikamenten der Wirkstoffklasse der Nukleosidanaloga – Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir –, die Dauer und Schwere von Episoden verkürzen und bei häufigen Rezidiven als Dauersuppression eingesetzt werden können. Bei ersten Symptomen oder begründetem Verdacht auf eine Infektion sollte frühzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden.
HPV – Humane Papillomviren
Humane Papillomviren (HPV) sind eine große, heterogene Gruppe von über 200 Virustypen, von denen etwa 40 die Schleimhäute und Haut des Anogenitalbereichs befallen können. HPV ist die häufigste sexuell übertragbare Infektion überhaupt; die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal, ohne es zu wissen.
Klinisch unterscheidet man zwischen Niedrigrisiko-Typen – vor allem HPV 6 und 11 –, die gutartige Genitalwarzen (Condylomata acuminata) verursachen, und Hochrisiko-Typen – allen voran HPV 16 und 18 –, die keine unmittelbaren Symptome erzeugen, aber langfristig Krebsvorstufen und Karzinome verursachen können. Hochrisiko-HPV ist die wesentliche Ursache des Zervixkarzinoms (Gebärmutterhalskrebs) sowie eines bedeutsamen Anteils der Anal-, Oropharyngeal- und Peniskarzinome.
Am Penis kann HPV alle Bereiche befallen – Glans, Penisschaft, Vorhaut, Hodensack und gelegentlich den Harnröhreneingang. Die Mehrzahl der Infektionen heilt durch das Immunsystem spontan ab, insbesondere bei jüngeren, immunkompetenten Männern. Bleiben Infektionen bestehen, können sich bei Niedrigrisiko-Typen Condylomata acuminata entwickeln: weiche, hautfarbene bis rötliche Wucherungen, die einzeln oder in blumenkohlartigen Clustern auftreten und gelegentlich jucken oder brennen, aber selten schmerzhaft sind. Hochrisiko-Typen verlaufen am Penis meist asymptomatisch, können aber über Jahre zu Peniskarzinomen führen.
Die Diagnose erfolgt klinisch durch urologische Inspektion, gegebenenfalls ergänzt durch Lupenuntersuchung (Dermatoskopie), Abstriche zum HPV-DNA-Nachweis oder histologische Sicherung bei unklaren Läsionen. Ein Bluttest ist für den HPV-Nachweis nicht geeignet. Asymptomatische Infektionen benötigen in der Regel keine Behandlung. Sichtbare Genitalwarzen können durch topische Immunmodulatoren (Imiquimod), Kryotherapie, Laserablation oder chirurgische Entfernung behandelt werden; Rezidive sind möglich und sollten nachkontrolliert werden.
Der effektivste Schutz vor HPV ist die Impfung. Der in Deutschland verfügbare nonavalente Impfstoff (Gardasil 9) schützt vor den neun häufigsten HPV-Typen, darunter die wichtigsten Hochrisiko- und Niedrigrisikotypen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren; auch eine Nachholimpfung bis zum 26. Lebensjahr ist sinnvoll. Seit Einführung der Impfprogramme ist ein deutlicher Rückgang der HPV-assoziierten Erkrankungen – insbesondere des Zervixkarzinoms – in den geimpften Geburtsjahrgängen messbar.
Kondome bieten partiellen Schutz, decken jedoch nicht alle potenziell infektiösen Hautareale ab. Bei sichtbaren Veränderungen im Genitalbereich sollte auf Geschlechtsverkehr verzichtet und ärztliche Abklärung gesucht werden.
Dieser Inhalt dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar. Er ersetzt keinesfalls eine fachliche Untersuchung oder Behandlung durch eine(n) approbierte(n) Ärztin oder Arzt. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Unsicherheiten konsultieren Sie bitte immer eine medizinische Fachperson – insbesondere auch bei Fragen zur Intimchirurgie oder sexuellen Gesundheit.
4 Min. Lesezeit – Aktualisiert am 1. Juli 2026
Quellen & Literatur
- 1. WHO: Herpes simplex virus – Fact Sheet (aktuelle Fassung) – globale Prävalenzdaten
- 2. Looker, K.J. et al.: Global and regional estimates of prevalent and incident herpes simplex virus type 1 infections in 2012 – PLOS ONE (2015)
- 3. STIKO-Empfehlungen zur HPV-Impfung (Robert Koch-Institut, aktuelle Fassung)
- 4. zur Hausen, H.: Papillomaviruses and cancer: from basic studies to clinical application – Nature Reviews Cancer (2002; Nobelpreis-relevante Grundlagenarbeit)
- 5. EAU Guidelines on Urological Infections und auf Sexual and Reproductive Health (aktuelle Fassung)

